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Das Internet schafft eine Kultur des Teilens

11 Mrz

„Shareconomy“ – das neue Trend-Wort der Wirtschaft und Gesellschaft

  • Die „Shareconomy“ revolutioniert Wirtschaft und Gesellschaft
  • Umfrage: 83 Prozent der Internetnutzer verbreiten digitale Inhalte im Web
  • Die Ökonomie des Teilens war das Leitthema der Hightech-Messe CeBIT 2013

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Die Shareconomy revolutioniert Wirtschaft und Gesellschaft: Immer mehr Menschen nutzen das Internet, um persönliche Erfahrungen, digitale Inhalte und Gegenstände aller Art mit anderen zu teilen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Hightech-Verbands BITKOM ergeben. Danach teilen 83 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland online digitale Inhalte, die sie selbst erstellt oder im Web gefunden haben. 17 Prozent geben an, dass sie hin und wieder auch Dinge wie Autos, Werkzeuge oder ihre Wohnung mit Hilfe des Internets teilen. Das entspricht rund 9 Millionen Personen. „Die Shareconomy ist ein gesellschaftlicher Megatrend, der sich durchsetzt“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf vor Beginn der CeBIT in Hannover. Vor allem das Teilen von Erfahrungen, Wissen und Ideen verändere das Wirtschaftsleben nachhaltig. „Verbraucher bekommen eine neue Macht, indem sie sich noch stärker als bisher an Wertschöpfungsprozessen beteiligen können“, sagte Kempf. „Moderne Informationstechnologien ermöglichen die Ökonomie des Teilens und sind gleichzeitig ihr Vorreiter, zum Beispiel mit Cloud-Diensten oder Social Software.“

Angestoßen hat den Trend zur Shareconomy vor allem der Erfolg des Social Web. „In sozialen Netzwerken ist es spielend leicht, digitale Inhalte zu verbreiten“, sagte Kempf. Hinzu kämen Blogs, Foren, die Kommentarfunktionen in Online-Medien oder Bewertungen in Web-Shops. Die steigende Verbreitung von Smartphones und die mobile Internetnutzung verstärken den Trend. Laut Umfrage teilen 44 Prozent der Internetnutzer persönliche Erfahrungen mit Produkten oder Dienstleistungen. Ebenfalls 44 Prozent teilen selbst gemachte Fotos, 29 Prozent eigene Texte und 15 Prozent selbst gedrehte Videos. Die Hälfte der Befragten nennt als wichtigsten Grund für das Teilen von Inhalten, Kontakt zu anderen Menschen halten zu wollen. 31 Prozent möchten neue Bekanntschaften schließen. Ein Viertel will auf Probleme oder andere Sachverhalte aufmerksam machen. 15 Prozent wollen durch das Internet bekannter werden, was vor allem im beruflichen Kontext eine Rolle spielt.

Das Teilen von Erfahrungen, Wissen und sonstigen digitalen Inhalten hat vielfältige Auswirkungen auf die Wirtschaft. Laut der BITKOM-Umfrage lesen fast drei Viertel (73 Prozent) der Internetnutzer vor einer Bestellung die Bewertungen anderer Kunden und 35 Prozent geben selbst welche ab. Ein Viertel (26 Prozent) informiert sich anhand der persönlichen Erfahrungen anderer (Ex-)Mitarbeiter über potenzielle Arbeitgeber. „Wer seine Erfahrungen über Produkte oder Unternehmen teilt, entscheidet mit über Erfolg oder Misserfolg“, sagte Kempf. „Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie selbst in den sozialen Medien präsent sind.“ Außerdem können sie diesen „Erfahrungsschatz“ für die Verbesserung ihrer Produkte nutzen. Das Social Web ermöglicht es, Kunden und andere Interessierte auch direkt in die Produktentwicklung einzubinden. Das Interesse daran ist vorhanden: In der Umfrage gaben 13 Prozent der Internetnutzer an, dass sie sich bereits an solchen Innovationsprojekten beteiligt haben. Das entspricht rund 7 Millionen Personen. Weitere 25 Prozent können sich das vorstellen. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es mit 18 Prozent (Beteiligung) und 32 Prozent (Bereitschaft) deutlich mehr.

Das im Social Web allgegenwärtige Teilen von Informationen, Wissen und Ideen fördert aus Sicht des BITKOM eine Offenheit und Transparenz, die auch die Arbeitswelt verändert. Laut Umfrage sagen fast zwei Drittel (63 Prozent) aller Berufstätigen, dass bessere Arbeitsergebnisse erzielt werden, wenn jeder seine Ideen und Informationen teilt. „Die Bedeutung von Hierarchien nimmt tendenziell ab, da die Arbeit vermehrt in Projekten und Teams erledigt wird, die sich über Social Software organisieren“, sagte Kempf. Allerdings fürchten 42 Prozent der Berufstätigen, dass sie persönlich Nachteile haben, wenn sie selbst Wissen preisgeben. Kempf: „Genau dieses Paradox wird durch positive Erfahrungen mit dem Teilen von Informationen schrittweise aufgelöst.“

Im Kommen ist das Teilen von Dingen mit Hilfe des Internet. „In der digitalen Welt lautet das Motto immer häufiger: Nutzen statt besitzen!“, sagte Kempf. „Die meisten Sachen stehen oder liegen die meiste Zeit ungenutzt herum. Verbraucher können mit dem Leihen, Mieten oder Tauschen von Sachen viel Geld sparen und gleichzeitig einen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten.“ Nach den Ergebnissen der Umfrage stehen 85 Prozent der Internetnutzer dem Teilen von Dingen grundsätzlich offen gegenüber. Gut die Hälfte (52 Prozent) ist der Meinung, dass dieser Trend wichtiger wird. Besonders beliebt ist das Sharing von Fahrrädern. Entsprechende Services haben 9 Prozent der Internetnutzer bereits in Anspruch genommen. Das entspricht rund 5 Millionen Personen. Ebenfalls 9 Prozent haben Produkte oder Dienstleistungen über eine Online-Tauschbörse getauscht. Car Sharing nutzen 3 Prozent und Couch Surfing 2 Prozent. „Trotz der geringen Prozentanteile haben Car Sharing und Couch Surfing ein enormes Potenzial“, sagte Kempf. „Beim Car Sharing bringt moderne ITK die entscheidenden Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Diensten: ständige Verfügbarkeit und eine minutengenaue, also nutzungsabhängige Abrechnung.“

Eine weitere Facette der Shareconomy ist die finanzielle Beteiligung per Internet – auch mit geringen Summen – an kommerziellen, künstlerischen oder sozialen Projekten (Crowdfunding) sowie an jungen Unternehmen (Crowdinvesting). Nach den Ergebnissen der Umfrage haben sich immerhin 8 Prozent der Internetnutzer (rund 4 Millionen) bereits an einem Startup beteiligt oder können sich das vorstellen. Weitaus mehr haben sich mit 12 Prozent an sozialen Projekten beteiligt, weitere 22 Prozent wären dazu bereit. Allerdings steht das Crowdfunding in Deutschland im Vergleich zu den USA noch am Anfang. Dort hat allein die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seit ihrem Launch im Jahr 2009 rund 500 Millionen Dollar eingesammelt. Alle deutschen Plattformen wie Startnext oder VisionBakery zusammen kommen nur auf 2,4 Millionen Euro. Kempf: „Die Shareconomy bringt viele neue Geschäftsmodelle hervor, sie stellt aber auch viele alte in Frage. Die diesjährige CeBIT wird dazu beitragen, innovativen Shareconomy-Konzepten zum Durchbruch zu verhelfen.“

Gastbeitrag von:  Bitkom.org
Bildquelle: http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Kulturdesteilens_2013.jpg

Hinweis zur Methodik: Im Auftrag des BITKOM hat das Marktforschungsinstitut ARIS 1.000 Personen ab 14 Jahre befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

Social Media beeinflusst politische Meinungsbildung

25 Okt


Soziale Medien haben nicht nur die Art und Weise verändert, wie kommuniziert wird, sondern auch einen politischen Wandel ausgelöst. Das sagt der renommierte Medientheoretiker Clay Shirky von der New York University, der im Rahmen des World Congress of Information Technologie in Motreal den Einfluss von neuen Medien auf die Gesellschaft analysiert hat.

Clay Shirky ist der Auffassung, dass Protestbewegungen im Netz Wirkung zeigen: „Die Menschen haben jetzt eine öffentliche Stimme. Jeder kann mit jedem kommunizieren. Diese verbundene Welt ist viel grösser und dichter als je zuvor“, sagt Shirky. Der Universitätsprofessor ist davon überzeugt, dass soziale Medien die Welt mit einem neuen Werkzeug ausgestattet haben, mit dem eine „gewaltige und beispiellose“ politische Macht verbunden ist.                                                                                                          

Der Fall der CSU in Bayern

Der aktuelle Fall der CSU, in dem scheinbar ein Sprecher der Partei auf die politische Berichterstattung des ZDF Einfluss nehmen wollte zeigt, wie schnell sich Nachrichten über die sozialen Netzwerke verbreiten. Vor 10 Jahren hätte das Thema wohl kaum große Beachtung gefunden, was auch die gestrige, zunächst magere Berichterstattung der Medienhäuser bewiesen hat.

Das Thema ins Rollen brachte die Süddeutsche Zeitung gestern um 05.05 Uhr mit ihrem Artikel: „Anruf beim ZDF – CSU wollte Bericht über SPD-Parteitag verhindern“ .

Der Artikel löste tausende Verlautbarungen via Twitter und Facebook aus und wurde noch am Vormittag von Spiegel Online übernommen. Auch die Tagesschau übernahm das Thema gegen nachmittag auf ihre Online-Plattform.

Trotzallem: Zahlreiche überregionale Fernsehsender, Radiostationen und Onlineportale berichteten nicht über die angebliche CSU – ZDF Affäre. Der Informationsdruck, der in und durch die sozialen Medien entsteht, zwingt Medienhäuser jedoch immer stärker zu einer Berichterstattung. 

Zunehmend reichweitenstarke Nutzer, die sogenannten Socia Media Influencer (Beeinflusser), erreichen mit ihren Twitter und Facebook Kanälen in kürzester Zeit tausende Menschen. Auch Social Media Informationsplattformen wie z.B. Bayern wählt und regionale Projekte wie Mein Herzogenaurach – Alles rund um deine Stadt gewinnen immer mehr an Reichweite.

Erst am Anfang

Medientheoretiker Shirky ist der festen Überzeugung, dass wir erst am Anfang einer neuen Zeitrechnung stehen, die von sozialen Medien geprägt sein wird. Medien wir Fernsehen, Radio und Zeitungen stehen durch Social Media vor einem Wandel, die die Informationsaufnahme und Meinungsbildung sehr stark verändert.

Auch die politische Meinungsbildung verändert sich durch Social Media sehr stark – mit diesem Fakt tun sich viele Parteien aktuell noch schwer, da man bis dato Social Media Kanäle bestenfalls zur Verteilung von Pressemitteilungen und Veranstaltungsankündigugen verwendet.

Den Dialog mit dem potentiellen Wähler zu aktivieren ist die Herausforderung der Zukunft für alle politischen Parteien.

Gute Social Media Strategien werden meiner Meinung schon 2013 Wahlen mit entscheiden.

 

Etablierte Parteien verstehen Social Media nicht

10 Mai

Obwohl verschiedene Studien den etablierten Parteien schon in der Vergangenheit bescheinigten, das Internet nicht richtig für die Kommunikation im Wahlkampf zu nutzen, und die Probleme aufzeigten, scheint es bis heute kaum einen Lerneffekt zu geben.

Insbesondere soziale Netzwerke werden häufig falsch genutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts für angewandte Publizistik (IfaP) an der Fachhochschule (FH) Kiel. Grundlage der Erhebung sind Daten zur Onlinenutzung politischer Parteien während des Landtagswahlkampfes in Schleswig-Holstein.

„Dass die Piraten im neuen Landtag so stark vertreten sind, ist auch auf schlechte Onlinestrategien der etablierten Parteien zurückzuführen“, sagte Christian Hauck, Leiter des Instituts. So seien zwar alle Parteien bei Facebook und Twitter präsent, eine echte Kommunikation mit den Userinnen und Usern fände allerdings nur in Einzelfällen statt. Vieles wirke improvisiert und aufgesetzt.

„Wir waren überrascht, dass Social Media in vielen Fällen lediglich zur Informationsübermittlung genutzt werden – wie früher Faxgeräte für Pressemeldungen“, so Tobias Hochscherf, Koordinator der Studie. Die Auswertung habe ergeben, dass sich große Unterschiede in der Nutzungsintensität der Sozialen Netzwerke feststellen ließen. In den Reihen der etablierten Parteien gebe es nur einzelne Politikerinnen und Politiker, die soziale Netzwerke effektiv nutzten.

Einzig die Piratenpartei kommuniziere mit ihren Anhängern auf Augenhöhe. Diskussionen und Persönliches gehörten hier zum guten Ton. „Während sich die Piraten interaktiv austauschen, bleibt es bei den traditionellen Parteien meist bei simpler Selbstdarstellung im Sinne der Publicity“, erläuterte Hochscherf. Das sei für Internetnutzende nicht zeitgemäß.

Für die Studie hatte das Team des IfaP über vier Wochen die Onlineaktivitäten der Parteien CDU, SPD, Grüne, Piraten, FDP, SSW und Die Linke täglich beobachtet und ausgewertet. Eine umfassende wissenschaftliche Analyse der Ergebnisse wird das Institut für angewandte Publizistik in den kommenden Wochen veröffentlichen.

Quelle: Institut für angewandte Publizistik (IfaP) an der Fachhochschule (FH) Kiel